Es ist kein Wunder, dass das rasche Wachstum des E-Commerce die Logistik beeinflusst. Die Logistik ist ein Nährboden für das Online-Geschäft und beide Branchen beeinflussen sich gegenseitig. Einfach gesagt, effiziente Logistik und Infrastruktur sind Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Online-Handels und der Warenzustellung in den einzelnen Ländern. Daher müssen sie ständig erneuert werden. Nur so können die sich ändernden Bedürfnisse des Internethandels und dessen Kunden erfüllt werden. Und das haben die Länder der DACH-Region anscheinend hervorragend verstanden.
Bei der Auswahl des für die Expansion geeigneten Landes bevorzugen viele Online-Händler solche Länder, deren Kultur der eigenen verwand ist, was sich auch in einem ähnlichen Markt widerspiegelt. Die DACH-Region ist das perfekte Beispiel dafür. Die Verflechtung der deutschsprachigen Länder ist kein Novum der letzten Jahre. Die gemeinsamen Geschäfte haben hier eine langjährige Tradition. Die Online-Shopper sind also nicht gezwungen, ihre Domänen zu lokalisieren, ihre größte Sorge liegt in den Bereichen internationale Zustellung und Rücksendungen. Dank des wachsenden Internethandels stellen selbst diese Branchen keine schwierige Aufgabe mehr dar. Spediteure und Online-Shop-Besitzer entwickeln Kooperationen und im Vergleich zu anderen Regionen Europas, schafften sie ein stabiles Umfeld.
Neben dem Ausbau des Logistiknetzwerks, bemühen sich die Spediteure, auch die Qualität ihrer Dienstleistungen zu verbessern, um dem wachsenden E-Commerce-Volumen gerecht zu werden. Dazu investieren sie in die Infrastruktur verwaltenden Zentren. Das umfasst Modernisierung der bereits bestehenden Anlagen sowie Aufbau neuer Sortier- und Zustellzentren. So hat die Deutsche Post DHL in den letzten Jahren allein in Deutschland mehr als 750 Millionen Euro in die Kapazitätserweiterung investiert und baut weiterhin neue Lager und Anlagen in Österreich und in der Schweiz. Es wird also unrecht behauptet, dass das Unternehmen in Österreich und in der Schweiz keine Investitionen bringt. Auch die zeitlichen Möglichkeiten erweitern sich. Die Zahl der Zustelltage nimmt zu und die Zustellzeit verlängert sich bis hin in die Abendstunden. Und das gilt nicht nur für die deutsche DHL, sondern auch für GLS und österreichische DPD.

All diese ständigen Verbesserungen stecken hinter der Position der DACH-Region als einer der führenden Zusteller nicht nur in Europa. Der Logistik Leistungsindex (Logistics Performance Index, LPI) erreicht sogar einen der höchsten Werte weltweit. Die Weltbank erstellt die LPI-Rangliste von 160 Ländern auf der ganzen Welt und Deutschland belegte dreimal hintereinander den ersten Platz. Österreich stieg innerhalb weniger Jahre vom Platz 22 auf Platz 4. Die Schweiz behält den 11. Rang. In jedem Fall sind diese Zahlen für den lokalen E-Commerce ein wahrer Traum.
Trotz des erstaunlichen Wachstums des österreichischen Logistiknetzwerks werden die kommenden Jahre eine Herausforderung sein. Doch die Innovationen hören nicht auf und Österreich muss sich daher an Deutschland, das ständig neue Lösungen entwickelt, ein Beispiel nehmen. Deutschland ist der führende Innovator in den Bereichen Technologie und Dienstleistungen der Logistikbranche. Kein Wunder. In rund 60 000 Industrieunternehmen arbeiten 3 Millionen Menschen. Zu den bekanntesten zählen Deutsche Post DHL, DB Schenker und Dachser.
Dem deutschen Empfänger werden im Durchschnitt 24 Sendungen pro Jahr zugestellt und somit deutlich mehr als den Einwohnern anderer europäischer Länder. Die Anzahl der in Österreich und der Schweiz erhaltenen Pakete ist immer noch relativ niedrig – 14 und 9 Pro Kopf und Jahr. Überraschenderweise ist der deutsche Online-Händler nach Abschluss der Bestellung laut E-Commerce-Versandstudie 2018 weniger am Kunde interessiert. Der Kunde kann zum Beispiel weder den bevorzugten Spediteur noch die gewünschte Lieferzeit auswählen. Nur 10% der Kunden erhalten Information über die voraussichtliche Lieferzeit, die meisten müssen nur hoffen, dass sie während der Zustellung zu Hause sind.
Wenn es um die Rücksendungen geht, ist der deutsche Markt ziemlich eigenartig. Ein Drittel der Kunden schickt höchstens jedes 10. Paket zurück, doch 14% retournieren sogar ein ganzes Viertel der erhaltenen Pakete. Im Jahr 2018 wurden unglaubliche 280 Millionen Sendungen retourniert. Besonders hoch ist die Rücksendequote bei Bekleidung.
Beim Anblick der mit der deutschen Wirtschaft zusammenhängenden Zahlen ist jedoch eins sicher. Die Deutschen haben enorme Kaufkraft. Nicht umsonst zählen sie zu den größten Verbrauchern Europas und die DACH-Region lockt weiterhin viele E-Commerce-Unternehmer. Bevor mutige Schritte in Richtung DACH unternommen werden, dürfen die Auswirkungen der fortschrittlichen Logistik und des durchdachten Konzepts der Warenrücksendungen jedoch nicht vergessen werden.
Das perfekte Beispiel für ein, in der Region florierendes Online-Unternehmen, ist Zalando. Kürzlich begann der Online-Shop Zusammenarbeit mit der Swiss Post und die Kunden in Zürich konnten ihre Sendungen bereits am ersten Abend abholen, ganz getreu dem aus Deutschland kommenden Liefertrend „Zustellung am selben Tag“. Dies ist derzeit in bis zu 20 deutschen Städten möglich. Und das ist nur einer der wenigen Schritte, die Zalando unternimmt, um sich weiterzuentwickeln. Wir können ungeguldig warten, wie Zalando seine neuen Ideen umsetzt und können uns dabei inspirieren lassen. Das Ziel ist eins. Sich dem Lebensstil von Kunden anzupassen.